Positionierung ohne Schubladendenken:
Wie du klar wirst, ohne dich einengen zu müssen
von Nicole Mercado | 17.08.2026
Kennst du das Gefühl, wenn du an das Wort Positionierung denkst und sich sofort ein leises Engegefühl in deinem Brustraum breitmacht?
Du öffnest ein gängiges Marketing-Buch oder besuchst ein Business-Seminar und das Erste, was dir entgegenschallt, ist: „Du musst dich spitz positionieren! Suche dir eine winzige Nische, wähle ein ganz bestimmtes Alter deiner Zielgruppe, lege dich auf genau ein Problem fest und streiche alles andere aus deinem Angebot!“
Wenn du als Soloselbstständige, als Ayurveda-Therapeut:in, Yogastudio-Besitzer:in, Coach:in, Künstler:in oder Kreative/r arbeitest, führt dieser Ratschlag meistens nicht zu Klarheit, sondern zu einer tiefen Blockade und Schockmomenten. Denn deine Arbeit ist ganzheitlich. Sie ist vielschichtig, bunt und lebt von den Synergien verschiedener Methoden. Die Vorstellung, dich in eine enge Schublade zwängen zu müssen, fühlt sich wie ein Käfig an. Es fühlt sich fast so an, als müsstest du die Hälfte deiner Persönlichkeit an der Garderobe deines eigenen Businesses abgeben.
In diesem Artikel erfährst du, warum klassische Nischen-Konzepte für ganzheitlich und kreativ arbeitende Menschen oft nicht funktionieren und wie du eine klare, wirkungsvolle Positionierung findest, die dir Raum zum Atmen lässt.
Warum das klassische Marketing-Raster oft nicht zu dir passt
Um zu verstehen, warum sich das Thema Positionierung oft so schwer anfühlt, lohnt sich ein Blick auf die Herkunft klassischer Marketing-Methoden. Viele traditionelle Ansätze stammen aus einer Industrie- und Produkt-Welt, in der Konsumgüter über harte Kennzahlen verkauft werden. Dort funktioniert die Einteilung nach soziodemografischen Daten hervorragend: Alter, Wohnort, Jahreseinkommen, Familienstand.
Wenn du jedoch im Dienstleistungsbereich, in der Gesundheitsförderung, im Coaching oder in der Kunst tätig bist, kommen deine Kund:innen nicht zu dir, weil sie ein bestimmtes Alter erreicht haben oder in einer bestimmten Stadt wohnen. Sie kommen zu dir wegen eines inneren Zustands, einer Sehnsucht nach Veränderung oder wegen einer Haltung, die du verkörperst.
Die Falle der künstlichen Verengung
Wenn du versuchst, dich nach den Regeln des klassischen Marketings zu beschneiden, passieren meist zwei Dinge:
- Du verlierst die Freude an deiner Arbeit: Wenn du Herzensangebote streichst, nur weil sie angeblich nicht in deine Nische passen, fühlst du dich nicht mehr mit deiner Selbstständigkeit verbunden.
- Deine Wunschkund:innen verstehen dich trotzdem nicht: Ein übermäßig verengtes Marketing wirkt oft steril und aufgesetzt. Es fehlt die lebendige Ausstrahlung, die Menschen im ganzheitlichen Bereich überhaupt erst anspricht.
Positionierung im Ayurveda: Die Rückkehr zur eigenen Essenz
Im Ayurveda sprechen wir oft davon, die Dinge zurück in ihre Ur-Natur zu bringen - in ihre sogenannte Prakriti. Genau das bedeutet Positionierung auf eine authentische Art und Weise: Es geht nicht darum, etwas zu erfinden oder dich zu verstellen. Es geht darum, deine eigene Essenz freizulegen.
Deine Positionierung ist nicht die Schublade, in die du dich hineinpressen musst. Sie ist vielmehr wie der Rahmen eines hochwertigen Bildes. Der Rahmen sperrt das Kunstwerk nicht ein. Er gibt ihm Halt, Struktur und eine Grenze zur Außenwelt, damit das Motiv strahlen kann und die Blicke auf das Wesentliche gelenkt werden.
Der gemeinsame rote Faden statt der engen Nische
Eine erfolgreiche Positionierung ohne Schubladendenken bedeutet nicht, dass du für jeden Menschen absolut alles anbieten solltest. Wenn du versuchst, für alle da zu sein, wirst du im Außen ungreifbar.
Die Lösung liegt in einem gemeinsamen roten Faden. Anstatt deine verschiedenen Methoden zu trennen, verbindest du sie durch das übergeordnete Ergebnis, das du deinen Kund:innen schenkst.
[ Deine Methoden & Angebote ] ---> ( Der rote Faden / Das Kerngefühl ) ---> [ Dein Wunschkunde ]
(z. B. Ayurveda, Yoga, Kunst) (z. B. Innere Ruhe & Kraft)
Deine Kundin kauft am Ende nicht die reine Methode, ob das nun eine Abhyanga-Massage, eine Ernährungsberatung, ein Coaching oder ein Bronzestatue ist. Sie sucht nach dem Zustand, der durch deine Arbeit in ihrem Leben entsteht.
Praxisbeispiele: Wie ganzheitliche Positionierung in der Realität aussieht
Damit das Prinzip greifbarer wird, schauen wir uns zwei Beispiele aus der Praxis an, wie unterschiedliche Bausteine durch einen roten Faden zusammenfließen.
Beispiel 1: Die Ayurveda-Praxis mit vielfältigem Angebot
Stell dir eine Selbstständige vor, die Ayurveda-Massagen, Ernährungsberatung und wöchentliche Yogastunden anbietet.
Der klassische (sperrige) Ansatz: Sie versucht krampfhaft, sich nur auf Ernährung für eine winzige Zielgruppe festzulegen und streicht die Massagen, obwohl sie diese liebt.
Der authentische Ansatz: Sie richtet ihr Marketing auf das Kernbedürfnis ihrer Kundinnen aus. Ihr roter Faden lautet: „Ich begleite vielbeschäftigte Frauen dabei, durch Ayurveda wieder in ihre Balance zu gelangen und tiefen Schlaf zu finden.“
Das Ergebnis: Sie kann weiterhin Massagen, Ernährungstipps und Yoga kombinieren. Ihre Kundin versteht jedoch sofort, welches Problem gelöst wird und welche Erleichterung sie erwarten darf.
Beispiel 2: Kunsthandwerk und Kreativwirtschaft
Eine Keramikerin stellt wunderschöne, handgetöpferte Teeschalen her.
Der klassische Ansatz: Sie beschreibt lediglich die technischen Daten: „Handgemachte Keramiktasse, bei 1200 Grad gebrannt, spülmaschinenfest.“
Der authentische Ansatz: Sie positioniert ihre Arbeit über das Gefühl und den Moment: „Ich kreiere Alltagsbegleiter für deine erholsamen Genussmomente im Alltag.“
Das Ergebnis: Die Schale wird vom bloßen Gebrauchsgegenstand zu einem Anker für Ruhe und Entschleunigung.
Deine Reflexionsfragen für mehr Klarheit
Nimm dir einen Moment Zeit, um über diese drei Fragen nachzudenken. Notiere sie dir gern und schreibe deine Antworten auf. Sie helfen dir dabei, den roten Faden in deinem Business freizulegen:
- Das übergeordnete Ziel: Was ist die eine Sache, die alle deine Angebote miteinander verbindet (z.B.: Kurs, Behandlung, Coaching oder Produkt)?
- Das Kerngefühl: Welches Gefühl oder welcher innere Zustand stellt sich bei deinen Kund:innen ein, wenn sie mit dir gearbeitet haben?
- Deine natürliche Leichtigkeit: Welche Themen fallen dir so leicht, dass du stundenlang ohne Anstrengung darüber sprechen könntest?
Die Kompassaufgabe
Um aus den theoretischen Gedanken direkt in die Umsetzung zu kommen, lade ich dich zu einer kleinen Praxisübung ein. Alles, was du brauchst, sind ein Notizbuch oder -App und etwa 15 Minuten Zeit.
- Schritt 1: Öffne dein Notizbuch und teile eine Seite gedanklich oder tatsächlich in zwei Spalten.
- Schritt 2: Schreibe auf die linke Seite untereinander all deine einzelnen Methoden, Dienstleistungen, Kurse oder Produkte auf.
- Schritt 3: Schreibe auf die rechte Seite neben jeden Punkt die Antwort auf diese Frage: „Welche Erleichterung, welche Erkenntnis oder welches Gefühl schenkt dieser Baustein meiner Kundin?“
- Schritt 4: Lies dir nun die rechte Spalte aufmerksam durch. Welche Wörter oder Beschreibungen wiederholen sich? Genau hier verbirgt sich der rote Faden deiner Positionierung.
Zusammenfassung: Klarheit bringt Entspannung
Positionierung bedeutet nicht, dich selbst einzuschränken oder deine Vielseitigkeit aufzugeben. Sie ist der Schlüssel dazu, dass deine Arbeit von den richtigen Menschen verstanden und geschätzt wird. Wenn du deine Positionierung als Anker und nicht als Schublade verstehst, verliert das Thema seinen Schrecken. Dein Marketing wird ruhig, klar und fühlbar. Genau passend zu dir und deiner Arbeit.
Möchtest du deinen ganz eigenen roten Faden finden und deine Angebote so ordnen, dass sie sich leicht und stimmig verkaufen?
Im virtuellen Austausch nehmen wir uns genau die Zeit, um deine Bausteine in aller Ruhe zusammenzufügen. Erfahre hier mehr über die Zusammenarbeit und buche dir dein unverbindliches Kennenlerngespräch.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich mich für eine einzige Nische entscheiden, um Kund:innen zu gewinnen?
Nein, du musst dich nicht auf eine einzige, winzige Nische festlegen. Entscheidend ist nicht eine enge Zielgruppen-Schublade, sondern dass deine Kund:innen verstehen, bei welchem Anliegen du ihnen helfen kannst. Verbinde deine Angebote über einen gemeinsamen roten Faden.
Was mache ich, wenn ich ein Scanner-Typ bin und viele verschiedene Dinge liebe?
Als vielseitig interessierte Person musst du deine Themen nicht löschen. Sortiere deine Angebote so, dass sie sich gegenseitig ergänzen oder unter einer übergeordneten Botschaft stehen. Deine Vielseitigkeit ist eine Bereicherung, solange sie im Außen übersichtlich kommuniziert wird.
Wie finde ich meine Zielgruppe im Ayurveda oder Yoga?
Deine Zielgruppe definiert sich im ganzheitlichen Bereich weniger über Alter oder Einkommen, sondern über Wünsche, Werte und Herausforderungen. Überlege, in welcher Lebensphase oder vor welcher gesundheitlichen bzw. mentalen Hürde deine Kund:innen stehen und du ihnen helfen möchtest.
Schließe ich nicht potenzielle Kund:innen aus, wenn ich mich positioniere?
Wenn du versuchst, für jeden Menschen passend zu sein, wirst du für niemanden wirklich greifbar. Eine klare Positionierung zieht genau die Menschen an, die perfekt zu dir passen. Sie stößt nicht ab, sondern schafft echtes Vertrauen.
Kann sich meine Positionierung im Laufe der Zeit verändern?
Ja, absolut. Eine Positionierung ist kein starrer Vertrag für die Ewigkeit. Sie wächst und verändert sich mit dir, deinen Erfahrungen und deinen Kundinnen. Es ist völlig normal, sie immer wieder feinjustieren.
Wie drücke ich meine Positionierung aus, ohne Marketing-Floskeln zu nutzen?
Sprich in deiner ganz normalen Sprache, also ganz genau so, als wenn du etwas einer guten Freundin erklären würdest. Vermeide übertriebene Leistungsversprechen und beschreibe stattdessen ehrlich den Nutzen und das Gefühl, das deine Arbeit vermittelt.
Reicht es nicht aus, einfach gute Arbeit zu machen?
Gute Arbeit ist das Fundament. Damit Menschen jedoch überhaupt die Chance haben, deine gute Arbeit kennenzulernen, müssen sie im ersten Schritt verstehen, was du anbietest und wie du ihnen helfen kannst.
Wie hängen Positionierung und Sichtbarkeit zusammen?
Positionierung gibt deiner Sichtbarkeit die Richtung. Erst wenn du weißt, wofür du stehst (Positionierung), erzeugt deine Sichtbarkeit auch die gewünschte Resonanz bei den passenden Menschen.
Wie kann ich Ayurveda ganzheitlich erklären, ohne Interessierte zu überfordern?
Hol deine Kund:innen da ab, wo sie im Alltag stehen. Verwende verständliche Begriffe wie "Ausgleich", "Verdauungskraft" oder "Innere Ruhe", statt deine Angebote sofort mit komplexen Sanskrit-Fachbegriffen zu überladen.
Was ist der Unterschied zwischen Zielgruppe und Wunschkunde?
Eine Zielgruppe ist eine oft anonyme Gruppe von Menschen mit ähnlichen Merkmalen. Ein Wunschkunde ist die konkrete Vorstellung eines Menschen, mit dem du besonders gerne arbeitest, weil eure Werte und eure Chemie ideal harmonieren.
Woran merke ich, dass meine Positionierung unklar ist?
Wenn Interessierte dich fragen: „Und was genau machst du jetzt eigentlich?“ oder wenn sich trotz hoher Sichtbarkeit niemand für deine Angebote anmeldet, fehlt meist der rote Faden in deiner Kommunikation.
Wie hilft mir ein Mentoring bei der Positionierung?
Ein Blick von außen hilft dir, den Wald vor lauter Bäumen wieder zu sehen. Im Mentoring ordnen wir deine Bausteine gemeinsam, filtern deine Essenz heraus und formulieren eine Sprache, die sich für dich rund und stimmig anfühlt.


